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Bauherr! Was bedeutet das überhaupt?

Bauherr macht einen Luftsprung

„Bauherr“ ist einer dieser Begriffe, die wir ganz selbstverständlich verwenden. Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, was damit gemeint ist. Weil jeder weiß, was damit gemeint ist:

Bauherr ist jeder, der ein Haus baut oder ein Haus bauen lässt. So einfach ist das.

Ich könnte mit dieser Defintion leben. Jetzt ist es allerdings so, dass kurze Blog-Beiträge weder bei den Lesern noch bei den Suchmaschinen gerne gesehen sind. Ich muss also etwas weiter ausholen. Zum Glück gibt es zu dem Thema noch viel zu sagen.

Hinweis: Die auf meinem Blog bereitgestellten Informationen stellen keine Rechtsberatung und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Trotz intensiver Recherche kann ich für die Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit der Inhalte keine Haftung übernehmen. Die Anwendung erfolgt auf eigenes Risiko.

Begriffsdefinition: Was ist ein Bauherr?

Für eine Begriffsdefinition bietet es sich an, Wikipedia zu bemühen. Wir lernen:

„Der Bauherr (kurz BH) ist im Baurecht der rechtlich und wirtschaftlich verantwortliche Auftraggeber bei der Durchführung von Bauvorhaben.“

Vielleicht hätten wir lieber nicht nachsehen sollen. Baurecht, Verantwortung – das hört sich nach potenziellen Problemen an.

Umso wichtiger ist es, dass du genauer verstehst, was sich hinter dem Bauherren-Begriff tatsächlich verbirgt. Es ist also sicher keine Zeitverschwendung, wenn du dir den Rest dieses Beitrags durchliest. In diesem Zusammenhang empfehle ich dir auch meinen Artikel über Risiken beim Hausbau.

Zurück zur Definition: Der Bauherr gibt also die Durchführung eines Bauvorhabens (kurz: BVH) in Auftrag, sprich: die Errichtung oder Änderung einer baulichen Anlage. In der Regel ist dafür eine Baugenehmigung erforderlich, die der Bauherr in Form eines Bauantrags bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde (ugs. beim Bauamt) beantragen muss.

Spätestens mit dem Bauantrag wird der Bauherr und damit der Verantwortliche eines Bauvorhabens also amtlich erfasst.

Bauherr kann übrigens nicht nur eine Privatperson (genauer: eine natürliche Person) sein, sondern auch eine juristische Person. Die zweite Variante bietet sich zum Beispiel an, wenn du einen Flughafen in BERlin bauen möchtest.

In vielen, aber bei Weitem nicht in allen Fällen, ist der Bauherr auch der zukünftige Eigentümer des Bauwerks. Bist du zum Zeitpunkt des Bauantrags weder Eigentümer noch Besitzer des Grundstücks, auf dem gebaut werden soll, hast du schlechte Karten. Das bringt uns zum nächsten Punkt.

Wer ist Bauherr bei einem Bauträgervertrag?

Baust du dein Haus mit einem Bauträger? Dann erwirbst du ein Komplettpaket bestehend aus Haus und Grundstück und schließt dafür einen Bauträgervertrag ab. Im Gegensatz zum Bauen auf deinem eigenen Grundstück bist du damit rechtlich betrachtet kein Bauherr, sondern ein Käufer. Dabei ist es egal, ob das Haus schon steht oder nicht.

Aber was bedeutet das dann für dich? Kannst du dich entspannt zurücklehnen und einfach abwarten, bis alles fertig ist?

Auf gar keinen Fall!

Ich selbst habe im Bauträgermodell gebaut und kann dir versichern: es bleibt noch sehr viel übrig, um das du dich kümmern musst. Der Bauträger hat primär die Verantwortung, das, was im notariellen Kaufvertrag steht, an dich zu liefern und die Gewährleistung dafür zu übernehmen. Aber dass der Bauträgervertrag deine Anforderungen erfüllt und dass die Umsetzung im Detail auch wirklich nach deinen Vorstellungen erfolgt, das ist in allererster Linie deine Verantwortung!

Mein Bauträger hat mich ungeachtet der vertraglichen Konstellation immer als Bauherren bezeichnet und auch so auf der Baustelle vorgestellt. Ich habe ihm nie widersprochen. Rein praktisch betrachtet trifft es nämlich genau den Punkt.

Das war jetzt nur ein kurzer Exkurs in die Bauträgerwelt. Wenn du mehr über die Besonderheiten sowie die Vor- und Nachteile des Bauträgermodells wissen möchtest, dann empfehle ich dir meinen Artikel Bauträger: Was ist das? Definition und Erfahrungsbericht.

Ab wann ist man Bauherr?

Ich habe es weiter oben bereits angedeutet: Offizieller Bauherr bist du spätestens, wenn du den Bauantrag einreichst und im Feld Bauherr-/in dein Name steht. Schau dir zur Verdeutlichung am besten mal ein Beispiel-Formular für einen „Antrag auf Baugenehmigung“ an.

Jetzt ist aber für die Erstellung des Bauantrags schon einiges an Vorarbeit zu leisten. Dazu gehören beispielsweise der Grundstückskauf, die Planung des Bauvorhabens und die Erstellung der Unterlagen für den Bauantrag. Eventuell kommt noch das Stellen einer Bauvoranfrage vor dem eigentlichen Bauantrag hinzu.

Je nach Bauvorhaben hast du bereits in der Vorbereitungs- und Planungsphase Kontakt zu zahlreichen Baupartnern. Ob indiviudell beauftragter Architekt, Fertighausanbieter, Massivhausanbieter oder Bauträger – ohne kommst du im Normalfall nicht aus. Spätestens für das Einreichen des Bauantrags benötigst du eine vorlageberechtigte Person, die das auch darf.

Deine Rolle als Bauherr (im erweiterten Sinne) musst du natürlich schon in dieser Phase aktiv wahrnehmen. Und deine Baupartner werden das auch von dir erwarten und hoffentlich in deinem eigenen Interesse auch einfordern.

Unter Vernachlässigung von Umbaumaßnahmen an bestehenden Gebäuden lautet meine Meinung kurz und knapp:

Bauherr bist du ab dem Moment, in dem entscheidest, ein Haus zu bauen oder ein schlüsselfertiges Haus zu kaufen.

Wie wird man Bauherr?

Wenn du die vorherigen Abschnitte nicht übersprungen hast, kennst du meine Antwort auf die Frage „Wie wird man Bauherr?“ bereits:

Du musst dich dafür entscheiden! Fertig. That’s it.

Keine Ausbildung, kein Studium, keine Gehaltsverhandlungen. Gehalt bekommst du nämlich keins. Wenn es dir um’s Geld verdienen geht, dann solltest du vielleicht Bauherrenvertreter, Bauleiter oder Bauherren-Coach werden.

Die spannendere Frage lautet: Was passiert, nachdem du Bauherr geworden bist?

Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen findest du natürlich (demnächst) hier auf bauherren.net!

Bauherr gesucht (m/w/d)

Bei einem derart maskulin geprägten Begriff wie „Bauherr“ können wir die Gendering-Frage nicht unter den Tisch fallen lassen. Aber wie heißt es jetzt richtig?

Der Herr rechts, die Dame links spricht für Baudame. Frau und Herr Doktor legt eher Baufrau nahe. Obwohl beide Formen tatsächlich benutzt werden, sind sie zum Glück nicht sehr weit verbreitet.

In den meisten offiziellen Dokumenten (z.B. in der Landesbauordnung Rheinland-Pfalz, insb. § 55) wird meiner Wahrnehmung nach durchgängig die auch von mir bevorzugte Form Bauherrin verwendet.

Leider ist „Bauherrinnen und Bauherren“ auf Dauer sehr mühsam zu lesen, finde ich. Mit einer abwechselnden Verwendung der beiden Formen komme ich nicht klar, weil es mich verwirrt. BauherrInnen bringe ich aus ästhetischen Gründen nicht über’s Herz. Und um ganz korrekt zu sein, müsste ich eh Bauherren (m/w/d) schreiben.

Ich habe mich zugunsten der Lesbarkeit dafür entschieden, den Begriff Bauherr zu verwenden und gleichzeitig im Footer auf jeder Seite einen Gender Disclaimer anzuzeigen.

Ein Plädoyer für das Bauherren-Dasein

Baurecht, Verantwortung, potenzielle Probleme hin oder her. Bauherr zu sein ist in erster Linie außerordentlich spannend und vielseitig.

Es wird immer wieder Momente geben, in denen man zweifelt, jemals in das neue Haus einziehen zu können. Papier ist geduldig. Mit Abweichungen vom Plan ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Entscheidend ist aber, wie man damit umgeht, und dass man das Ziel nicht aus den Augen verliert.

Wenn man es richtig angeht, überwiegen der Spaß und die Freude am Erschaffen des zukünftigen Zuhauses bei Weitem und lassen über Momente der Frustration hinwegsehen. Spätestens, wenn man im Sommer auf der eigenen Terrasse oder im Winter am warmen Kaminofen sitzt, wird man wissen, dass es die Mühe wert war.

Wenn du jetzt etwas Motivation gebrauchen kannst, schau dir einfach nochmal meine ultimative Wunschliste für dein individuelles Traumhaus an.

P.S.: Wir mussten den Kaminofen aus Platzgründen streichen. Dafür ist aber die Terrasse etwas kleiner ausgefallen als ursprünglich geplant.

War das schon alles?

Eine rhetorische Frage. Aber wir befinden uns bereits gefährlich nah am Ende der durchschnittlichen Aufmerksamkeitsspanne.

Frei nach Brecht machen wir jetzt den Vorhang zu und lassen ein paar Fragen offen:

  • Was mache ich als Bauherr (eigentlich den lieben langen Tag)?

  • Welche Verantwortung trage ich als Bauherr?

  • Wofür hafte ich als Bauherr und wie kann ich mich absichern?

  • Was muss ich als Bauherr wissen?

  • Worauf muss ich als Bauherr achten?

  • Welche Grundausstattung brauche ich als Bauherr?

  • Wo bekomme ich Unterstützung?

Selbstverständlich werden wir an anderer Stelle auf diese Fragen zurückkommen.

Nimmst du die Herausforderung an?

Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, deine eigene Situation genauer zu beleuchten und mit meinen Aussagen abzugleichen. Bist du offiziell der Bauherr? Bist du Bauherr im erweiterten Sinne? Weißt du grob, was auf dich zukommen wird? Bist du bereit dafür? Falls du noch unsicher bist, habe ich eine Empfehlung für dich:

Buchtipp

Das meiner Meinung nach beste und witzigste Buch mit Anekdoten aus dem dem Bauherren-Alltag wurde nicht von einem Bauherrn, sondern von einer Bauherrin geschrieben. Aufgrund des Titels hätte ich es beinahe nicht gelesen, aber zum Glück habe ich es doch getan. Der Erlebnisbericht von Julia Karnick bekommt von mir fünf Sterne.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit!

Hat dir der Artikel weitergeholfen? Hast du Fragen oder Anregungen? Dann schreib doch bitte einen kurzen Kommentar zu diesem Beitrag. Das Formular dafür findest du am Ender der Seite. Ich freue mich über jede Rückmeldung.

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